Linkenwitze

Mein Beitrag zum Artikel unten. Ein Cartoon, den Doonesbury am 23. Mai 2005 verwarf, weil ein Cartoon, in dem ein Kopf auf einem Tablett (Google: “head on a plate“) zu einem Zeitpunkt, als gerade Nachrichten über eine Enthauptung die Runde machen, nur unter der US-amerikanischen Mehrheitsbevölkerung der 99% liberalen Linken für Lacher sorgte, die 1% Konservativen dagegen so entsetzt waren, daß sich Doonesbury entschuldigen mußte. Ja. Ich weiß. Die prüden Amerikaner. In Deutschland wäre es undenkbar, daß sich jemand aufregt, wenn, nur als konstruiertes Beispiel, Klaus Stuttmann im TAGESSPIEGEL einen Cartoon mit einem abgetrennten Kopf bringen würde, während die Nachrichten gerade über einen enthaupteten Deutschen berichten. Aber Deutschland ist nun mal nicht die Welt.

So lacht das Internet über die Wulff-Affäre

Satiriker und kreative Bastler im Netz haben wegen der Affäre Wulff Hochkonjunktur

Wer derzeit die Begriffe „Wulff Satire“ googelt, erhält auf Anhieb mehr als 5000 Einträge, „Wulff Witze“ bringt bei der Google-Suche sogar 13 900 Ergebnisse: Internetnutzer und Online-Medien sind derzeit besonders kreativ – und mitunter auch besonders böse

Bundespräsident Christian Wulff (52) kann seit Tagen ein Lied davon singen. Bei Youtube, Facebook, Twitter und zahllosen Satire-Seiten wird die „Affäre Wulff“ um einen umstrittenen Hauskredit und den Anruf auf der Mailbox von BILD-Chefredakteur Kai Diekmann auf die digitale Schippe genommen.

Von der Satire-Version einer Presseerklärung über bitterböse Werbekampagnen bis hin zum nachgestellten Anruf des Bundespräsidenten – das Netz ist voller Spott.

Zu den absoluten Klick-Hits gehört der Fake-Mitschnitt des präsidialen Anrufs des WDR 5: „Hallo Kai hier ist der Christian… nee nochmal“… PIEP …„Herr Diekmann, hier spricht Christian Wulff, dieser Artikel, den Sie planen, ich möchte Ihnen ja nicht drohen, aber das bedeutet Krieg, Sie…“ PIEP…

Und was wäre die „Harald Schmidt Show“ ohne ein gehörige Portion Wulff-Satire? Zusammen mit „Überraschungsgast“ Olli Dittrich sinniert Schmidt über die Besetzung für einen „Wulff-Film-Film-Film-Film-Film“ bei SAT1. Vorschlag: Reinhold Beckmann als Christian Wulff, genannt sind auch Kermit der Frosch und Mel Gibson. Für die Rolle des BILD-Chefredakteurs halten Schmidt und Dittrich den „Polonäse-Blankenese“-Sänger Gottlieb Wendehals für die Idealbesetzung.

Das Thema „Affäre Wulff“ wurde auch kindgerecht aufbereitet. Bei Youtube ist das Lied „Schnorri, der Bundespräsident“ zu hören. „Liebe Kinder, mein Name ist Christian und meine Freunde nennen mich einfach Schnorri – der Bundespräsident.“

Komiker Oliver Kalkofe gab vor schepperndem Publikum den Bundespräsidenten und präsentierte „die wahre Pressemitteilung”: „Sehr verehrte Mitbürger, liebe Mitbürgerinnen, Kinder und Haustiere – und meine lieben Freunde aus der Wirtschaft“, lautet hier die Begrüßung.

Inzwischen kursieren auch Hunderte Wulff-Filmplakate mit entsprechend hübsch ausgedachten Filmtiteln: Ein Muss ist da natürlich „Der mit dem Wulff tanzt“. Naheliegend auch: „Liebling, ich habe die Zinsen geschrumpft“, oder „Einer flog übers Eigenheim“ sowie „Onkel Wulffs Hütte. Nicht zu vergessen: „Der Herr der Kredite – die Gefährten“.

„Die Frankfurter Allgemeine Zeitung“ entwarf passend zum Interview mit Regisseuren ein eigenes Plakat und lässt den Bundespräsidenten statt wie im Original „Out of Rosenheim“ „Out of Großburgwedel“ in die Wüste ziehen.


Die FAZ hat selbst schon Mal ein Filmplakat kreiert

Die Autoverleih-Firma Sixt hat für sich den Dreh gefunden, die Wulff-Affäre als Werbung zu nutzen: Spaß ohne reiche Freunde, auch in Hannover. Preiswerte Wagen bei Sixt.


Sixt macht sich mal wieder lustig über einen Promi

Auch in der Welt von Micky Maus und Co. sorgt das Thema für Wirbel: Der „Enten-Kurier“, die seriöse Lokalzeitung aus Entenhausen, widmet sich in Ausgabe 94 der Wulff-Affäre: Schlagzeile: „Maulkorb für die Maus“. Unterzeile: „Hundepräsident Wuff versucht, Berichte zu verhindern.“ „Wuff steht seit Wochen wegen der Finanzierung seiner Hütte in Wedel mit einem 500 000-Taler-Kredit eines Pudelpaares in der Kritik“, heißt es darin.


Im Micky-Maus-Magazin Ausgabe 7 (erscheint am 10.2.)

Es gibt nichts, was es nicht gibt: In einem nachempfundenen Facebook-Profil dichtet das Magazin Stern dem Präsidenten diesen Eintrag an: „Bin auf sehr viel Verständnis für meinen Auftritt gestern Abend gestoßen. Auch bei mir selbst.“

Ebenso im Netz zu finden: Die größte Anti-Wulff-Seite bei Facebook mit dem Titel: „Christian Wulff: Rücktritt jetzt“. Mittlerweile tummeln sich dort knapp 10 000 Mitglieder.

Es wird auf Online-Berichte verlinkt, diskutiert, die Satiriker toben sich aus. Auch Cartoonisten sind dankbar für diese Zeiten. Oliver Hilbring zum Beispiel hatte ein sehr modische Idee


http//www.facebook.com/OlisCartoons

Die Mitarbeiter des Satiremagazins „Titanic“ stellten das Staatsoberhaupt sogar als BILD-Erpresser vor, der mit einer „Fistelstimme“ die Drohung einer „Abo-Kündigung“ auf der Chef-Mailbox hinterließ.


www.titanic-magazin.de

Irgendein Witzbold stellte vorübergehend Schloss Bellevue auf eine Immobilien-Such-Seite. Und bei www.bundespraesident-gesucht.de schlägt ein User „Ashton Kutcher – nackt“ für den Posten des Staatsoberhaupts vor.

Auch das Statement des Bundespräsidenten vom 22. Dezember war vor der Internet-Gemeinde nicht sicher. Es ist jene Erklärung, in der er sich für Fehler im Umgang mit der Kreditaffäre entschuldigte.

In der Spott-Version wurde nichts anderes getan, als unter die getragenen Worte noch eine Tonspur zu legen: schallendes, zuweilen hysterisch klingendes Gelächter.

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